Buchbesprechungen

Hüther

Gerald Hüther, Raus aus der Demenzfalle, Arkana Verlag 18 €

Prof.Dr. Gerald Hüther zählt zu den renomiertesten Hirnforschern Deutschlands.

Er schreibt: Demenz ist kein Schicksal, sondern die aktuelle Demenz-Forschung ist der Überzeugung, dass Demenz durch altersbedingte Abbauprozesse und Ablagerungen im Gehirn verursacht wird. Leicht verständlich und mit überzeugenden Argumenten macht Gerald Hüther, einer der führenden Hirnforscher, deutlich, dass diese im letzten Jahrhundert entwickelte Vorstellung nicht nur unzutreffend ist. Sie hat auch den Blick für das Phänomen verstellt, das tatsächlich für die Herausbildung von Demenz verantwortlich ist: die Unterdrückung der normalerweise bis ins hohe Alter vorhandenen Regenerations- und Kompensationsfähigkeit des Gehirns. Dieses neuroplastische Potential verlieren wir aber fast alle zwangsläufig in einer Welt, in der uns die Freude am eigenen Entdecken und am gemeinsamen Gestalten beim Älterwerden zunehmend abhandenkommt.


 

512chggoSLL._SX304_BO1,204,203,200_Heinz Bude, Das Gefühl der Welt: Über die Macht von Stimmungen – Hanser Verlag 18.90€

Für Heinz Bude sind Stimmungen die Gefühle der Gesellschaft. Er analysiert, wie sie entstehen, wie sie beeinflusst werden können, aber auch, wie sie kippen können. Stimmungen entscheiden darüber, wie wir die Welt wahrnehmen, deshalb ist es Politikern so wichtig, die Stimmung der Wähler zu kennen. Heinz Bude zeigt, warum Stimmungen in der Politik oft mehr entscheiden als Argumente. Stimmungen sind vage, flüchtig und unberechenbar. Aber wer verstehen will, wie unsere Demokratie funktioniert, muss von ihrer Macht über die Menschen wissen. 


 

Unbenannt3 Claus Fussek/Gottlob Schober, Es ist genug – Auch alte Menschen haben Rechte Knaur Klartext 7.-€

Sie werden ans Bett gefesselt, obwohl sie noch gehen können und kommen nie an die frische Luft. Ihnen werden Windeln verpasst, obwohl sie noch auf die Toilette gehen könnten, und sie haben niemand, der ihnen in der Todesstunde die Hand hält. – Wie man bei uns mit alten und pflegebedürftigen Menschen umgeht ist ein Skandal, so Fussek und Schober.

„Ein wichtiges, gut recherchiertes Buch – eine erschreckende Bilanz. Eindrucksvoll und schonungslos berichten die Autoren über den oft gnadenlosen Umgang mit alten und wehrlosen Menschen.“ Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Doch es ist in der Regel nicht das Problem der Pflegekräfte, diese gehen in ihrer Arbeit oft über ihre Kräfte hinaus. Es ist der Mangel an Pflegepersonal, an qualifizierten Fachkräften, die einfach nicht vorhanden sind. Ein entsprechender Einsatz zur Gewinnung von Menschen, die sich zu Altenpfleger ausbilden lassen, wäre ein Schritt in die richtige Richtung.


 Unbenannt.5pngThomas Klie, Wen kümmern die Alten? Auf dem Weg in eine sorgende GesellschaftVerlag Pattloch 18.-€

Auswege aus dem Pflegenotstand: Der Sozialexperte Prof. Dr. Thomas Klie ist überzeugt: Die menschenwürdige Versorgung alter Menschen kann nur gelingen, wenn alle Generationen und Gruppen der Gesellschaft einen Teil der Lasten tragen. Er fordert eine grundlegende Reform der Pflege, die die Familien entlastet. Eine sorgende Gellschaft stellt er sich vor, in der Komunen neue Formen der sozialen Verantwortung entwickeln. Den Focus auf die Nachhaltigkeit für die nachkommenden Generationen gerichtet.


 Unbenannt4Margarete Mitscherlich, Die Radikalität des AltersS. Fischer Verlag Tabu. 9.-€

Mit über neunzig Jahren wendet sich Margarete Mitscherlich, sie war die Grande Dame der deutschen Psychoanalyse die unermüdliche Aufklärerin, mit großer Entschiedenheit nochmals den großen Fragen ihres Lebens zu: Dem Vergessen und Verdrängen und der Unfähigkeit der Deutschen zu trauern; der Emanzipation im weitesten Sinne, also der Befreiung von Denkeinschränkungen, Vorurteilen, Ideologien, aber auch im engeren Sinne der Emanzipation der Frau und ihrer Stellung in der Gesellschaft; den Geschlechterrollen, männlichen und weiblichen Werten.
Zugleich reflektiert Margarete Mitscherlich das Älter- und Altwerden und beschreibt mit großer Offenheit, wie es ihre Sicht auf die Dinge prägt. In einem sehr persönlichen Stück beschreibt sie schließlich mit dem geschulten Blick der Psychoanalytikerin ihr Leben und Lebenswerk. Ein bewegendes Zeugnis lebendiger Zeitgeschichte.


Unbenannt   Arno Grün , Ich will eine Welt ohne Kriege – Clett-Cotta 12.95 €

Arno Grün ist Geschwister-Scholl-Preisträger, Psychoanalytiker und Zivilisationskritiker, sein Buch ist für alle, die sich nicht mit damit abfinden, dass es Kriege gibt. Gerade  die kommenden Generationen fordert er auf, sich für die Verhinderung von Kriegen einzusetzen.

Was ist lächerlich an der Vorstellung einer Welt ohne Gewalt? Warum wird der Traum von einem friedlichen Zusammenleben als kindliche Illusion abgetan, für Frieden demonstrierende Jugendliche sogar belächelt? Arno Gruen antwortet: Weil die Kraft der Träume die Anpassung an die angebliche Realität gefährdet. Menschen werden genau dann zu Eroberern und Kriegstreibern, wenn sie Gewalt mit Lebendigkeit verwechseln. Solange diese Illusion funktioniert, wird Größenwahn für Stärke gehalten. Gerade junge Menschen sind noch in der Lage, Ungerechtigkeit und Benachteiligung zu erkennen, weil sie noch mit den Opfern mitfühlen. Doch angesichts nicht endender Kriege fragen sich viele Menschen, ob es heute überhaupt noch richtig ist, Kinder in die Welt zu setzen. Arno Gruen engagiert sich in diesem aufrüttelnden Manifest mit Nachdruck für die Kraft der Träume. Denn der feste Glaube an das Gute in der Welt ist folgenreicher und lebendiger als politische Ideologien. Es ist sein Appell an die kommenden Generationen, sich die Kraft für den Frieden zu bewahren, und macht Mut, dafür einzutreten.